Dein Narkose Blog

Narkose von einem Narkosearzt verständlich erklärt.

„Sie müssen operiert werden“. Was mache ich nun?

„Sie müssen operiert werden“ – das erfahren alle meine Patienten von meinen chirurgischen Kollegen oder von den Unfallchirurgen. Wir sind von Natur aus sehr unterschiedlich, dank unserem eigenen Verstand. Daher darf man sich nicht wundern, wenn die Reaktionen auf die Ansage „Operation kommt auf Sie zu“ auch sehr unterschiedlich sind. Was uns als Menschen definiert sind unsere Gefühle in Kombination mit unserem Verstand. Was unseren Verstand prägt ist unsere Lebenserfahrung, die wir bis jetzt im Laufe der Jahre gesammelt haben. Das ist die wahre Realität. 

 

Nachdem du über die kommende Operation erfährst sollst du demnächst einen wichtigen ersten Schritt machen, und zwar: tief ein- und ausatmen!

 

Es ist also ganz normal, dass wir vor uns unbekannten Themen Angst bekommen. Ich sage euch ehrlich, dass ich auch kalte Füße kriegen würde, wenn ich von einem Tag auf den anderen plötzlich als Elektriker oder Bauer arbeiten müsste. Ich gebe zu, ich habe überhaupt keine Ahnung womit ich beginnen sollte, was ich machen sollte.

 

Das bedeutet: Themen die, den meisten Personen unbekannt sind, bekommen natürlich einen etwa schlechteren Ruf. Ergibt Sinn, richtig? Wenn es sich um eine medizinische Behandlung handelt, dann steht deine Gesundheit automatisch auf dem Spiel und somit gerät man schnell in Verzweiflung.

 

Aber keine Panik, weil:

Die Operationen und somit die dazu erforderlichen Narkosen finden in einem geschützten Umfeld statt. Heißt, es besteht immer eine Tür, hinter der, das breite Publikum keinen Zugang mehr hat. Warum? Das dient natürlich zur Sicherheit der Patienten. Wir kennen unseren Arbeitsplatz. Wir brauchen die idealen Bedingungen um die Komplikationsrate zu minimieren.

 

Ideale Bedingungen heißen: gute Beleuchtung für die Chirurgen, eine niedrigere Temperatur um zu verhindern, dass Keime sich vermehren. Viele Geräte benötigen auch verschiedene Gase – CO2, O2, Druckluft. Neben der normalen Stromversorgung aus dem Netz gibt es auch die Notversorgung, falls ein Stromausfall plötzlich auftritt.

 

Stell dir diese Analogie vor -> du bist in deinem Büro. Du weißt genau, wo der Startknopf deines Rechners ist, wo sich das Heftgerät verbirgt, wo du die Akte aus dem Jahr 2019 findest, wo ein Blatt Papier dir zur Verfügung steht. Das nennt man ein „vertrautes Arbeitsumfeld“. Das gleiche gilt bei uns auch!.. Der Anästhesist und seine Anästhesie-Pflegekraft wissen, wo ein erreichbares Beatmungsgerät zur Verfügung steht, in welcher Schublade jenes gesuchte Medikament sich verbirgt, wo andere spezielle Geräte zur Not vorhanden sind. Und mehr dazu… weil die Anästhesie  nicht alleine im Operationsbereich ist. Es gibt aber auch die Operations-Pflegekräfte, die alle wissen wo sie die unendlichen medizinischen Schrauben, Platten, Drähte, Instrumente finden können.

 

Skizze eines Operationsbereichs.
©Getinge Designs. 8 Operations rooms.

 

 

Vertrautes Arbeitsumfeld = höhere Effizienz und schnellere Reaktionszeiten. Das alles bedeutet (in manchen Fällen ist eine kurze Reaktionszeit umso wichtiger) mehr Sicherheit für unsere Patienten.

 

Nachteilig ist natürlich, dass die meisten Menschen überhaupt keine Ahnung haben was in diesem Operationsbereich geschieht. Es gibt in unserer Gesellschaft (leider!!) sehr selten eine korrekte Darstellung unserer Arbeit im Operationsbereich. Die meisten Filme, die medizinische Notfälle darstellen, basieren auf schwerwiegenden Krankheiten oder körperlichen Zuständen, in denen der Patient notfallmäßig operiert werden muss. Diese Filme spiegeln in der Regel auch eher die Ausnahmefälle wieder, insbesondere wenn etwas schiefgegangen ist.

 

Das, meine lieben Leser, kommt in unserem Alltag sehr selten vor. Natürlich in den Krankenhäusern, die als Maximalversorger eingestuft sind, sieht man öfter Operationen, die mit einem hohen Risiko einhergehen. Der menschliche Körper kann aber erstaunlich viel ertragen! Wenn du gesund bist und keine schwerwiegenden Krankheiten hast, dann gibt es eine sehr geringe Chance, dass du bei der Narkose mit schwerwiegenden Komplikationen rechnen musst.

 

Die Wahrheit ist: eine hoch elektive Operation (wie zum Beispiel Hüfte/Knie-Prothesen oder die Behandlung eines Narbenbruchs), für die man sich die Zeit nimmt um eine ausführliche Vorbereitung zu schaffen, hat ein mehrfach niedrigeres Risiko als das, was im Fernsehen dargestellt wird. – Die Filme müssen aber verlockend sein, und kritische Lagen bedeuten mehr Freisetzung von Adrenalin im Körper des Zuschauers- übersetzt: mehr Engagement aus der Seite des Zuschauers. Zu den Risiken werde ich bald eine ganz eigene Kategorie auf der Webseite einfügen.

 

Also Zusammenfassung:
  • Tief ein- und ausatmen sobald du über die vor dir liegenden Operation erfährst
  • Wenn du gesund bist gibt es zusätzliche Gründe, warum du dich entspannen solltest.
  • Der Gedanke, dass der Operation-Bereich kalt und hell und unliebsam ist, dient eigentlich zu deiner Sicherheit! Nimm das bewusst in Kauf und lass dich nicht davon überwältigt.
 

Es gibt eine riesige Anzahl an Faktoren, die den Ablauf einer Narkose beeinflussen. Wir alle müssen akzeptieren, dass wir nicht alles kontrollieren können. Was wir allerdings machen können ist folgendes: eine optimistische Perspektive halten über das, was uns grade passiert. Ich fahre in den Operationbereich mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass alles gut geh und dass die Operation erfolgreich wird.

Ab morgen konzentriere ich mich auf die nächste Phase, und zwar meine postoperative Heilungsphase!

Zu den Ablauf einer Narkose fange an mit dem Artikel über das Narkosegespräch

 

Bis zum nächsten Mal,

Robert.

 

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